Preisträger

2018

Ruhm und Ehre und Preisgelder

Wir glauben an das Gute im Film und in den Menschen, die dafür arbeiten, schwitzen, reisen und sitzen. Wertschätzung ist dabei zwar eine Währung für sich, doch weil wir es ernst meinen verwandeln wir die mit Hilfe engagierter wie großzügiger Medienmacher und Produktionsfirmen aus der Umgebung einmal wieder in bare Münze. Dieses Jahr wurden von unserer Jury 7 Auszeichnungen verliehen und von unseren Sponsoren mit Geldpreisen bedacht, dazu kommt der Publikumspreis, über den die Zuschauerschaft abstimmte, gestitftet von Indievisuals.

ARC DER SINNE

Being Ernest von Victoria Fistes, gestiftet von Kontrastfilm

Film ist eine Kunst, die angeblich das Auge ins Zentrum des Universums stellt. Doch er wäre keine Kunst, würde er nicht versuchen, sein sensorisches Universum zu erweitern. Victoria Fistes schafft dies durch eine mutige Reduktion auf imaginiertes Sehen.

BESTER LANGFILM (2/2)

Marisa En Los Bosques von Antonio Morales, gestiftet von Memofilm

Den schnell erzählten Plot inszeniert der Regisseur als eine Kette von Episoden, die mal formal steif, mal emotional, aber immer auch humorvoll im Milieu der Madrider Szene angelegt sind. Der Unsicherheit der Protagonistin entspricht ein ständiger Wechsel der Filmsprache und Stile. Die Referenzen zu Filmen der Nouvelle Vague bis zum magischen Realismus – inklusive dem Einbetten von Footage aus dem Filmarchiv, bereiten cinephilen Zuschauern sicher Freude beim Entschlüsseln. Die Aneignung und Aneinanderreihung bekannter Motive geht aber weit über eine bewundernde Nachahmung hinaus. So ist etwas neues Ganzes entstanden – ein Autorenfilm, der den alten Meta-Erzählungen nicht mehr glaubend, spielerisch ein künstlerisch eigenständiges Bild zeitgenössischen Lebensgefühls entwirft.

BESTER LANGFILM (1/2)

Landrauschen von Lisa Miller, gestiftet von Memofilm

Filme erzählen Geschichten. Meist sind diese abgeschlossen und rund. Doch das Leben ist weder rund noch abgeschlossen. In diesem Film stolpert die Protagonistin über solche Unebenheiten, und die Regisseurin macht dieses Stolpern zum Prinzip ihrer Erzählung. Dadurch gelingt es ihr, die Stereotypen einer coming-of-age-story im Genre eines Heimatfilms - mit allen seinen obligatorischen Figuren - aufzufrischen und so das Rauschen eines unplanmäßig verlaufenden Lebens einzufangen.

BESTE BILDSPRACHE

Mona Lisa Selfie von Daniel McKee, gestiftet von Pillefilm

Dieser Film handelt von Bildern. Von einem der bekanntesten analogen Bilder der Welt, das jährlich von 6 Millionen Menschen gesehen wird. Und von millionenfach digital produzierten Bildern von Menschen, die auf sich selbst aufmerksam machen wollen. Entwertet die Inflation der Bilder nicht das Bildermachen und letztlich auch das künstlerisch geschaffene Bild? Kann sich unser narzisstisches Selbst nur noch im Spiegel sozialer Medien wie Instagram & Co erleben und erfahren? Wie können wir die Welt um uns verstehen, wenn wir ihr Gegenüber in der Kunst nicht mehr betrachten können, sondern abstandslos als Abbild in unsere eigene Spiegelwelt einbetten? Diese und viele andere wichtige Fragen wirft Daniel McKee in nur 70 Sekunden auf, ohne auch nur selbst eine Kamera in die Hand zu nehmen.

BESONDERE ERZÄHLWEISE

Weavers of Imagination von Sadegh Jafari, gestiftet von luli Productions

Die Frauen, die in diesem Film persische Teppiche weben, sind blind. Farben, Flächen, Linien und ihr Wechselspiel entstehen nur in deren Fantasie, und am Ende werden daraus ganz real prächtige Ornamente. Die Kamera beobachtet distanziert das Leben der Weberinnen, als befürchte sie, sentimental zu erscheinen oder pastoral zu wirken. Dieser behutsame Gestus macht aus einem einfachen Film ein Ereignis – ganz in der Tradition des iranischen Films.

NEUE MEDIEN

Kelim 12 von Nils Hillebrand, gestiftet von Prisma.Film

Die Videoinstallation "Kelim 12" von Nils Hildebrand changiert und spielt als Ausgangsmaterial mit den Effekten aus den Anfängen der Musikvideos. Die Imperfektion der ausschnitthaft verwendeten analogen Farbwelten wird zur abstrakten Fläche einer bewegten Komposition im rhythmischen Wechsel. Das Besondere liegt hier in der Neuinterpretation eines (technisch) imperfekten Ausgangsmaterials in einem abstrakten modernen Kontext.
Nicht unähnlich dem Prozess des Kelimwebens entwickeln sich die Muster an einem virtuellen Webstuhl.

GRÖSSTES RISIKO

Being Ernest von Victoria Fistes, gestiftet von newCut Werbefilme

Heutzutage wird Film mit 3D, Spezialeffekten und Dolby Sound assoziiert. Victoria Fistes zeigt Typography auf schwarzer Leinwand, Piktogramme in altbewährter Zweidimensionalität und die Stimme eines Kindes. Die Regisseurin beweist Mut, geht ob des reduzierten Ressourceneinsatzes ein Risiko ein und schafft es doch, das Publikum emotional zu berühren.

2017

Die Jury hat entschieden

Das Arc Filmfestival hat in diesem Jahr Auszeichnungen für 4 herausragende Leistungen dotiert. Neben den Preisträgern sind die Begründungen der Jury auf dieser Seite aufgeführt. Die Mainzer Produktionsfirma Spektrumfilm hat die Jurypreise im Wert von 1.000 Euro zur Verfügung gestellt. Der Publikumspreis wurde mit 200 Euro durch die Eintrittsgelder finanziert. Die 17 Filme unserer Offiziellen Auswahl 2017 waren großartige Arbeiten und wir bedanken uns in diesem Sinne herzlich bei den Filmschaffenden, die das diesjährige Festival zu einem einzigartigen Ort zum Vernetzen und für inspirierende Gespräche gemacht haben. Denn eins ist klar: jeder Filmemacher braucht gute Partner um seine Ziele zu verwirklichen.

ARC DER SINNE

Der einsame Hof von Christian Zipfel

Ein bedrückendes zeitgeschichtliches Dokument, das in dichten schwarz-weiß-Bildern umgesetzt wurde. Die intensiv erzählte Geschichte nimmt den Zuschauer glaubwürdig mit auf eine Zeitreise. Alle Elemente des filmischen Erzählens werden eindrucksvoll zur Wirkung gebracht. Ton- und Bildsprache setzten glaubwürdig die harte historische Realität des 19 Jahrhunderts um. Die schonungslose Erzählung und das überraschende, aber glaubwürdige Ende arbeiten gegen übliche Kinokonventionen – das Böse wird am Ende belohnt.

Ein atmosphärisch dichter Film, der alle Sinne anspricht.

BESTE BILDSPRACHE

The Man Who Shot Himself In The Head von Harvard Harboe

Ein Schuss, der sein Ziel verfehlt und trotzdem trifft. Eine konsequente Kameraarbeit, die im Sinne der Geschichte emblematische Bilder für eine dysfunktionale Beziehung kreiiert. Der Film schafft so eine eigene visuelle Erzählebene, die die Kamera fast wie einen Voice-over- Kommentar arbeiten lässt. Dadurch entsteht eine ganz eigene Nachhaltigkeit: Sinnlich nachvollziehbar zieht die Kamera den Zuschauer in die Geschichte hinein.

PUBLIKUMSPREIS

Nimbostratus von Samuel Ackermann

Neben unserer fachkundigen Jury haben wir großes Vertrauen in unser wundervolles Publikum gesetzt und den Besuchern des Arc Filmfestivals die Möglichkeit gegeben, auch selbst über ihre Favoriten abzustimmen. Dieser Aufforderung sind die meisten natürlich gern nachgekommen und so dürfen sich Samuel Ackermann und sein Team über die Auszeichnung ihres Films "Nimbostratus" mit dem Publikumspreis freuen. Die herrlich skurrile Geschichte um einen Mann und seine Beziehung zu einer Regenwolke sorgte nicht nur für herzhafte Lacher, sondern überzeugte auch durch seine erfrischende Erzählung und stilvolle Bildgestaltung.

SODERPREIS DER JURY

Som Ein Reier Så Ligg Ein von Alexander Zwart

Herausragend aus dem Programm ist diese rundum gelungene Geschichte voll von schwarzem Humor und überraschenden Wendungen. Die überzeugende Schauspielleistung, die stimmige Dramaturgie und die wunderbare Bildgestaltung machen diesen Film zu einem tollen Kinoerlebnis.