Filmgespräche

Wenn Lebensrealitäten sich treffen: Rolle und Darsteller

Landrauschen eröffnete die Veranstaltungsreihe 2018. Es war toll den Kameramann Hannes Kempert, Hauptdarstellerin Kathrin Wolf und Regisseurin & Autorin Lisa Miller zu Gast zu haben. Im Gespräch mit Alica Humm spricht sie über die Geschichte sowie das Arbeiten mit den Darstellern.   

Photography: Niklas Doka

Alica: Hi Lisa, gehen wir gleich ins Eingemachte. Ganz kurz, worum geht es in Landrauschen?

Lisa: Also in Landrauschen geht es eigentlich um zwei Frauen: Toni, die in Berlin studiert hat und nun in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Bubenhausen, was auch mein Heimatdorf ist, ein echtes Dorf. Und Rosa, die im Dorf geblieben ist. Man beobachtet die beiden wie sie zusammen durchs Jahr gehen und eine Beziehung zueinander entwickeln. Sie sind beide auf der Suche nach sich selbst, jede auf ihre Art und Weise. Aber auch das Dorf steckt in einer Identitätskrise. Alle kommen irgendwie auf das schnelle und komplexe Leben nicht mehr klar.

Alica: Bubenhausen. Das war vor Eurem Schaffen erstmal nicht bekannt. Ich treffe jetzt direkt ins Schwarze, wenn ich die Frage um die Filmförderung stelle. Ist es richtig, dass Ihr gar keine Förderung hattet und wie habt Ihr das gemacht?

Lisa: Wir haben den Film komplett ohne Förderung gedreht. Also rein mit Crowdfunding. Sprich wir hatten ein sehr schmales Budget, was heißt wir konnten nicht sagen, wir haben dreißig feste Drehtage. Stattdessen haben letztendlich alle in ihrer Freizeit den Film gemacht und daher wurde über das ganze Jahr verteilt gedreht - unter anderem auch weil es in dem Film immer wieder Feste oder Feierlichkeiten gibt. Wir haben immer die echten Veranstaltungen gedreht, im Grunde dokumentarisch. Also haben wir unsere Drehblöcke auch an diese Festen angepasst.

Alica: Uns ist das Spiel im Film besonders aufgefallen. Kommt die Authentizität auch daher, dass Ihr tatsächlich auch mit “echten Menschen” und Laiendarstellern aus dem Dorf gedreht habt?

Lisa: Es gab ein paar Schauspieler mit Ausbildung, also gerade Katy (Hauptrolle: Toni) ist eine ausgebildete Schauspielerin, aber zum Beispiel die anderen drei Hauptrollen Rosa und die Eltern sind Laiendarsteller. Das hat tatsächlich sehr gut funktioniert. Es gab manchmal ein bisschen Schwierigkeiten mit den Theaterschauspielern, die es gewohnt waren nach hinten zu spielen, sie dann runter zu fahren, aber es hat alles geklappt. Vielen war die Rolle aber auch auf den Leib geschrieben, wie z.B. die Rolle der Rosa. Da steckt eine Menge von Nadine, die Rosa spielt, auch wirklich drin. Nadine kommt selbst aus Bubenhausen. Wir sind zusammen dort aufgewachsen und sie hat sich damals auch als Erste geoutet und sie arbeitet tatsächlich für die katholische Kirche im sozialen Bereich. Da konnte sie in ihrem Schauspiel sehr viel aus persönlichen Erfahrungen schöpfen.

Alica: Ist Queer Cinema grundsätzliche ein Thema, was du gerne umsetzen möchtest, oder war es Zufall?

Lisa: Ich glaube es war wahrscheinlich kein Zufall. Es ist irgendwo Teil meiner Lebensrealität oder der der Menschen, mit denen ich mich umgebe. Ich versuche grundsätzlich Rollenbilder zu hinterfragen und achte darauf, dass es nicht die typische Geschichte wird, wo die Frau dem Mann hinterherrennt und erst glücklich ist, wenn die romantische Liebe zu ihrem Höhepunkt kommt. Aber trotzdem war es zum Beispiel auch wichtig die älteren Charaktere wie die Mutter versuchen zu verstehen und Verständnis zu haben. Denn ich glaube die Mutter ist, auch wenn sie total nervt und gemein ist, irgendwie so ein Freak, dass man am Ende Sympathien für sie hat.

Weitere Informationen über den Film gibt's auf der Projektseite